Whiskyblog

Interview: Iain McIntosh

IAIN McINTOSH – Der Illustrator

Whisky, das ist der Stoff aus dem die Träume sind. Doch um zum Traum zu werden, braucht es vieles. Nicht nur Whisky, sondern auch ein Image, eine Flasche, eine Verpackung, ein Etikett. Fast jeder von uns hat Iain McIntosh bei sich im Regal stehen, ohne es vielleicht zu ahnen. Iain gestaltet Etiketten und Flaschenlabels, er verpasst Schmuckdosen ein stimmiges Design, dass so schön ist, dass man nicht selten leere Schachteln und Dosen behält, auch wenn die Flasche längst leergetrunken ist. Die meisten Menschen sind Ästheten, auch wenn sie vielleicht noch nie bewusst darüber nachgedacht haben. Und doch ist gerade Verpackung und Gestaltung einer Whiskyflasche das Tüpfelchen auf dem I, wenn man zur guten Stunde mit seinem Dram in der Hand den Tag ausklingen lässt. Wer hat sich nicht schon dabei ertappt, wie er jeden Quadratzentimeter der Verpackung liebevoll betrachtet hat, wie jedes Wort auf dem Etikett wie ein sanfter Glockenschlag erklingt. Und sind es nicht die ganz besonders schön gestalteten Dosen und Flaschen, die einen prominenten Platz in der eigenen Hausbar bekommen? Leuchttürme und Horte der Erinnerung und Fantasie.

Obwohl Iain gerade bis zum Hals in Arbeit steckt, war er kurzfristig zu einem Interview bereit, welches ich Anfang März 2015 mit ihm geführt habe.

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Iain, schön dass du dir Zeit genommen hast. Stell dich bitte zuerst kurz vor. Wo wurdest du geboren und wo lebst du heute?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Motherwell, dem Zentralgürtel von Schottland. Als ich mein Kunststudium begonnen habe, bin ich nach Edinburgh gezogen und nicht mehr weggegangen. Ich mag es wirklich hier, auch wenn das Wetter mitunter sehr unangenehm sein kann.

Wie bist du mit dem Whisky-Business in Kontakt gekommen? War es geplant, irgendwann mal Flaschenetiketten- und Labels zu zeichnen?

Ich habe definitiv ein Faible für die Gestaltung von Verpackungen, Kaffee, Tee, nur um einige zu nennen. Mit der Zeit kamen auch Bierlabels und Whisky dazu. Ich denke, mein sehr einfach gehaltener Stil aus schwarz und weiß passt einfach gut und lässt sich zudem in einer hohen Qualität drucken und reproduzieren. Mit Farben und Farbverläufen ist das mitunter schwieriger. Abgesehen davon glaube ich, dass die Art und Weise, wie ich meine Designs anfertige auch dem klassischen Look entspricht, von dem viele Leute glauben, dass es zur Atmosphäre eines Whiskys passt.

Wann hast du begonnen zu zeichnen? Sicher schon lange bevor du dich entschlossen hast, nach Edinburgh zu gehen, oder?

Schon als kleiner Junge liebte ich es zu zeichnen und das ganze habe ich über die Jahre mehr und mehr ausgebaut und mich entwickelt. Im Studium lernte ich dann weitere Techniken, die mir gerade für Illustrationen sehr geholfen haben. Reproduzierbarkeit ist ein sehr wesentlicher Aspekt meiner Arbeit, da muss man im Vorfeld schon sehr genau planen, was die Anforderungen des Kunden sind.

Lass uns da mal näher ins Detail gehen. Kannst du den Workflow näher beschreiben, wenn du einen neuen Auftrag einer Destillerie bekommst. Bist du eher ein Skizzentyp, der sich alles in einen Notizblock kritzelt, oder legst du direkt mit Photoshop los?

Wenn es nach mir ginge, würde ich alles als Holzschnitt anfertigen, aber das ist total unpraktisch, erstens weil es zu lange dauert und zweitens, weil man dann kaum noch etwas ändern kann. Nahezu alle Aufträge, die ich annehme, erhalte ich von Design Agenturen, die im Auftrag von Destillerien nach geeigneten Künstlern suchen. Sie haben meist sehr konkrete, spezifische Ideen und Vorschläge. Bis eine Arbeit von mir wirklich akzeptiert und angenommen wird, muss sehr oft viel geändert werden. Daher läuft es fast zwangsläufig darauf hinaus, dass ich viel mit dem Computer arbeite, da hier Änderungen recht zügig erstellt werden können oder man parallel auch mehrere Versionen für den Kunden vorhalten kann. Das ganze ist ein gemeinsamer Prozess, den man durchläuft. Trotzdem vermeide ich es, sofort direkt die Ideen in Programmen wie Photoshop zu entwickeln, sondern mag es sehr, zuerst nur mit Stift und Notizblock meine Ideen festzuhalten. Ich scanne die Sachen dann später ein und bearbeite sie mit meinem Wacom Tablet, was zusammen mit dem Photoshop eine sehr gute Performance bietet.

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Ein Label, ein Etikett verkauft ja auch Träume und soll den Kunden in eine bestimmte emotionale Richtung lenken. Wie ist deine Erfahrung mit Whisky-Herstellern bislang gewesen. Denken sie auch in künstlerischen Dimensionen oder ist ihr Interesse nur auf Marketingstrategien beschränkt?

Oh, das kann man pauschal nicht sagen, da es starke Unterschiede gibt. Die meisten Whisky-Hersteller haben in ihrer Firma einen Chefdesigner, der peinlich genau auf die Außendarstellung seiner Firma achtet. Er muss nicht zwingend selbst ein Künstler sein, in jedem Fall aber ein Ästhet, der sich dem Image seiner Destillerie verbunden fühlt. Egal ob nun auf Fotos, Werbeanzeigen oder Etiketten. Spannend für mich wird es, wenn Firmen beschließen, einen Imagewechsel in Szene zu setzen. Dann hat man mehr Freiraum und klebt nicht in den engmaschigen Vorgaben, die ein jahrelang gepflegtes Corporate Design so mit sich bringt. Das geht los bei der Typografie, bis hin zu Farben und Flaschenformen. Größere Firmen sind generell strenger und kleinlicher, weswegen ich gern auch für kleinere Firmen arbeite, weil ich hier mehr kreativen Input habe.

Gerade in den letzten Jahren hast du einen nicht unerheblichen Einfluss und Anteil am Erscheinungsbild vieler Whisky-Hersteller gehabt: Aberfeldy, Ardbeg, Bunnahabhain, Craigellachie, Glenturret oder Tullibardine haben mittlerweile Arbeiten von dir verwendet, die nun weit über den Globus verteilt in vielen Sammlungen und Whiskybars zu finden sind. Bekommst du denn von Destillerien hin und wieder mal eine kleine Aufmerksamkeit, abgesehen von dem Honorar, dass du für deine Arbeiten eh bekommst. Besonders wenn man für solch exklusive Flaschen wie dem Bunnahabhain 40 das komplette Design entworfen hat?

Oh, das wäre schön und ich wünschte, der Postbote würde hin und wieder eine kleine Aufmerksamkeit vorbeibringen. Natürlich passiert es hin und wieder, aber dann ganz sicher nichts aus dem exklusiven, hochpreisigen Segment, sondern eher eine Standardabfüllung.

Wie würdest du deinen Stil eigentlich selbst beschreiben? Und gibt es Künstler, Zeichner, Maler, die dich beeinflusst haben?

Ich mag Leute, die es mit einfachen Mitteln schaffen, auf einem sehr begrenzten Raum ihre Ideen umzusetzen. Noch besser, wenn es in schwarz/weiß passiert. Ich glaube, ich habe dieses Talent, ganz große Ideen in kompakter, stilisierter Form zu visualisieren. Mich hat diese Gabe auch schon bei Illustratoren der frühen 20. Jahrhunderts fasziniert, wie zum Beispiel Edward Bawden oder Eric Ravillious.

Eine letzte Frage, die ich natürlich stellen muss. Hast du einen Lieblingstropfen?

Ach, ich habe wirklich eine Menge probiert und über die Jahre immer wieder Lieblinge gefunden, die später von neuen Lieblingen abgelöst wurden. Das ist der Lauf des Lebens. Vor kurzem, nachdem ich das Design für Aberfeldy fertigstellte, habe ich den zum ersten Mal überhaupt probiert und war wirklich sehr davon angetan. Definitiv ein feiner Malt neben zahlreichen anderen, die ich jetzt nicht aufzählen möchte.

Okay Iain, vielen Dank für deine Zeit und interessanten Einblicke in deine Arbeit. Ich wünsche dir für die Zukunft alles Gute und kreativen Spirit.

https://www.iainmcintosh.com

Volkmar Weber

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