Whiskyblog

Mit Mooreiche zum individuellen Whisky

Paul Moore

Paul Moore

Durch Zufall bin ich in einem Gespräch mit einem Freund auf einen Produktentwickler aufmerksam geworden, der eine einzigartige Idee in ein funktionierendes, spannendes Produkt umgesetzt hat. Es handelt sich dabei um eine ausgesuchte Mooreiche, welche in Form von kleinen Röllchen Spirituosen in der Flasche nachreifen lässt. Das Produkt soll nach umfangreichen Tests 2016 unter dem Namen „Paul Moore“ auf den Markt kommen.

Nach dem ich „Paul Moore“ persönlich kennen gelernt habe, konnte ich ihn zur Überlassung von ein paar Proben überreden. Diese habe ich während der letzten Wochen in verschiedene Whiskyproben eingelegt, beobachtet und verkostet. Die Ergebnisse haben mich echt überrascht. Er hat mir vorab ein paar Rollen verkauft. Da ich weiß, dass Whisky-Nachreifung für viele ein heißes Thema ist biete ich den „interessierten Geistern“ diese ersten Mooreichenrollen zur Teilung an. Die Mooreichenrollen gibt es momentan nur bei „Paul Moore“ persönlich und bei mir. ☺

Nun liegen in meinem Lager 50 Stück geräucherte und 50 Stück unbehandelte Mooreichenrollen. Zusammen mit einer schicken Flasche und einer Gebrauchsanweisung könnten sie sich auf den Weg zu Euch machen. Bitte habt Verständnis, dass ich pro Person maximal eine Rolle von jeder Sorte abgeben kann. Die Ressourcen sind nicht unendlich und ich möchte, dass möglichst viele „Geister“ zum Zuge kommen.

Die Markteinführung ist für 2016 vorgesehen. Der Preis für eine Rolle in einer dekorativen Glasflasche soll bei ca. 30 Euro liegen.

Das Produkt

Paul Moore Set Edition

Es handelt sich dabei um ein modifiziertes Stück jahrtausendalter Mooreiche. Dieses Holzröllchen kann man in jede handelsübliche Spirituosenflasche geben.
Innerhalb von wenigen Tagen, Wochen, Monaten löst die Spirituose Farb-und Aromastoffe aus dem Holz und verändert die Qualität des Destillats nachhaltig.

Was ist Mooreiche?
Mooreiche ist äußerst selten und kostbar. In dem Jahrtausende andauernden Reifeprozess des Holzes entwickelten sich die für das Mooreichenholz typischen und einzigartigen Aromen. Im Unterschied zu allen anderen Hölzern vereint die Mooreiche in sich eine Mineralienkombination aus Eisen, Kalium, Kalzium und Magnesium. Durch die Lagerung in alkoholhaltigen Flüssigkeiten (min. 40%vol.) verbinden sich die wertvollen Inhaltsstoffe und Aromen mit dem Destillat zu einem einzigartigem und unverwechselbaren, rotgolden leuchtenden Tropfen.

Der Test

Paul Moore Test

Ich schnappte mir kurzerhand drei Flaschen, die zum einen schon offen und zum anderen noch genug Whisky enthielten, um einen vernünftigen Test zu absolvieren. Der Balvenie und der Laphroaig dürfte sicher vielen bekannt sein, vom Ben Nevis hatte ich eine eigene Abfüllung gemacht und noch genug Flaschen am Lager. Rein aus dem Bauchgefühl beschloss ich, den Balvenie mit einem unbehandelten Stück Mooreiche nachzureifen, für den Ben Nevis und den Laphroaig nutzte ich geräucherte Mooreiche.

Testumgebung:
Ein Stück Mooreiche in eine 0,2 Liter Glasflasche, Whisky darauf geben, Korken rein. Jetzt warten. Ich wollte den Tropfen eigentlich einen ganzen Monat Zeit geben, doch bereits nach wenigen Tagen begannen sich Ben Nevis und Laphroaig deutlich dunkler zu verfärben. So entschied ich mich, nach 10 Tagen die erste Testreihe zu beenden und begann, die nachgereiften Tropfen zu analysieren und zu verkosten.

BALVENIE DOUBLE WOOD 12 Jahre

balvenie mit mooreiche

Wie schmeckt das Original?

Viele Quereinsteiger lieben den Double Wood. Cognac-Trinker mögen die dezente Süße ebenso wie Boubon-Fremdgänger, die es mal mit einem Scotch versuchen wollen. Die sanft betörende Vanille schmeichelt der Nase. Auf Zunge und Gaumen belohnen weiche, leichte Fruchtnoten, hinzu etwas prickelnde Würze und ein Anklang für Rosinen. Für Kenner mögen die 40% Trinkstärke gewiss etwas schwach und wässrig sein, aber für Einsteiger ist der Doublewood 12 ganz gewiss ein feiner Tropfen, auch wenn der kurze, etwas eindimensional Abgang nicht sonderlich aufregend ist.

Wie sieht die Nachreifung aus?
Man muss schon genauer hinsehen, aber nach 10 Tagen sieht der Balvenie Doublewood 12 einen Tick dunkler aus. War es vorher eine zarte Bernstein Färbung, so schimmert der jetzt Safran-farben.

Wie riecht die Nachreifung?
Die Mooreiche ist sofort präsent und dominiert beim ersten Riechen am Glas. Unglaublich, wie schnell und massiv der Whisky seinen Charakter verändert hat. Auf einen Balvenie 12 würde hier niemand mehr tippen. Schwere, würzige Eiche, viel Volumen, viel Körper. Nach einigen Minuten drückt dann doch noch etwas Vanille durch die Eichenfracht hindurch, florale Noten sind hingegen nicht mehr auszumachen.

Wie schmeckt die Nachreifung?
Es setzt sich das fort, was die Nase schon erahnen ließ. Schwere, kraftvolle Würze und Eichennoten breiten sich auf Zunge und Gaumen aus. Der Nachreifungsprozess hat aus dem feingliedrigen, eher sanftmütigen Doublewood ein echter Schwergewicht werden lassen. Viele Tannine, viel Würze und Eiche, aber eben doch ganz anders, als man diese von anderen Eichenhölzern bislang kennt. Über 1000 Jahre alte Mooreiche (das genaue Alter wird zur Zeit mit der C14-Methode bestimmt) schmeckt definitiv anders als alles, was mir bisher ins Glas gekommen ist.

Abgang und Fazit
Eine so massive Veränderung in Geruch und Geschmack hätte ich nicht erwartet. Obwohl der Doublewood nur 40% Alkoholstärke enthält, ist die Reaktion mit dem Holz unerwartet heftig. Mir persönlich ist die Veränderung nach 10 Tagen schon zu intensiv, da vom eigentlichen Charakter des Whiskys zu wenig übrig bleibt.

Nachtrag 1: eine neuer Test, nur mit 3 Tagen Nachreifung gefällt mir wesentlich besser. Balance aus Mooreiche und Originalgeschmack deutlich überzeugender.

Nachtrag 2: und noch ein Test. Das Mooreichenstück zum zweiten Mal verwenden. Kaum Änderung der Farbe nach 10 Tagen, aber geschmacklich ebenfalls sehr harmonisch. Mooreichen-Aromen in Kombination mit dem typischen Balvenie Geschmack. Schmeckt jetzt nicht mehr wie ein 40 EUR Whisky, sondern extravaganter.

BEN NEVIS 16 „Highland Warrior“ Cask: 1611 52.6%

ben nevis

Wie schmeckt das Original?
Der markante Brennereicharakter von Ben Nevis mit seinen leichten Malz-und Toffeenoten ist sofort präsent. Duftet wie buttriger Streuselkuchen, der frisch aus dem Ofen kommt. Hinzu eine Note Kaffee und Pfirsich, die den Gaumen betört und auch ganz lange nachklingt. Einfach ein traumhafter Malt, dem man die Faßstärke von 52,6% zu keiner Zeit anmerkt.

Wie riecht die Nachreifung?
Ganz klar ein Ben Nevis, aber es scheint, als habe jemand auf den „Turbo“ Knopf gedruckt. Volle, weiche Eichentöne, hinzu die charakteristischen Ben Nevis Aromen wie Toffee, Kaffee, ergänzt um eine riesige Fuhre reifer Fruchtaromen. Pflaume, ebenso vollgesogene Rosinen. Obwohl das 16jährige Original nun alles andere als ein Jungspund ist, wirkt die Mooreichen-Nachreifung entschieden älter.

Wie schmeckt die Nachreifung?
Nuss, dunkler Espresso, Zimt und viel Eiche. Aber der Ben Nevis hält der Mooreiche deutlich besser stand als der Balvenie. Während der 12jährige Speysider mit der Nachreifung etwas überfordert scheint, ist der 16jährige Highlander anscheinend ein ebenbürtiger Partner bei der Schlacht der Aromen. Der Charakter des Ben Nevis bleibt erhalten, ergänzt um eine geschmackliche Komponente, die ich in diesem Fall als wenig aufdringlich, sondern edel bezeichnen möchte.

Abgang und Fazit
Die Reaktionen der Mooreiche auf den faßstarken Whisky sind komplex, aber zu keiner Zeit aufdringlich. Der krasse Wechsel der Farbe von strohgelb auf sattes Hennarot innerhalb von 10 Tagen ist absolut unglaublich. Für Auge, Nase und Gaumen ist die Nachreifung in jedem Fall ein echtes Highlight. Ohne den eigentlichen Charakter des Whiskys zu verändern, schafft es die Mooreiche der Highland-Abfüllung ein sattes Pfund mehr mit auf den Weg zu geben. Alles wirkt gediegener, reifer, voller. Blind verkostet hätte ich locker auf einen 22jährigen, vielleicht sogar 25 jährigen getippt.

Nachtrag 1: Ich habe den Test ebenfalls noch einmal mit einem ungeräucherten Stück Mooreiche probiert. Farblich war die Veränderung ebenso stark, allerdings war die Fülle der fruchtigen Aromen, diese reife Süße, nicht so stark ausgeprägt. Hingegen waren einige Nuancen Zimt und Kardamom in Nase und Gaumen festzustellen, die ich bei der geräucherten Variante nicht feststellen konnte.

LAPHROAIG 10 CASK STRENGHT BATCH 007 – 56,3%

laphroaig

Wie schmeckt das Original?
Ein krasser Stoff. Holzasche, verbrannter Toast mit Honig, hinzu ein fast schon stechend phenolischer Duft, der sich in der Nase ausbreitet. Für zarte Gemüter ist die Bond-Abfüllung gewiss nix, süße Asche mit Zucker, feuchte Erde, Salz und süßer Ingwer gegen Ende hin. Der extrem lange Abgang und die zarte Süße, die den Rachen gegen Ende hin hinaufsteigt, werden nur die zu schätzen wissen, die mit stark getorften Whiskys etwas anfangen können.

Wie riecht die Nachreifung?
Die Mooreiche hat es schwer, gegen diesen intensiven Tropfen anzukommen. Fast scheint es, als wenn sie es schafft, den Geruch etwas abzumildern und weicher zu machen. Der stechend scharfe, phenolische Geruch wirkt durch die weichenwarmen Eichentöne ein Tick weniger aufdringlich.

Wie schmeckt die Nachreifung?
Oha, doch doch, auch hier sind viele Tannine und Eichenaromen im Whiskys gelandet. Nach der eher zögerlichen Nase kann die Mooreiche beim Geschmack punkten und verschiebt den phenolischen Torfcharakter des Originals eher in Richtung qualmenden Lagerfeuerduft. Insgesamt wirkt der Whisky voller, öliger und etwas weicher, die Aromen der Mooreiche sind eine schöne Addition zum nach wie vor sehr dominant, prägnanten Laphroaig-Geschmack.

Abgang und Fazit
Laphroaig-Fans lieben ihren Islay-Stoff, gerade weil er so raubeinig und kompromisslos ist. Insofern gibt es nicht wenige, die lieber einen 10er im Glas haben als einen 18er, weil hier schon so viele Raucharomen etwas abgemildert erscheinen. Die Mooreiche verschiebt meiner Meinung nach auch den phenolisch-stechenden Charakter des Whiskys hin in eine etwas rundere, ausgewogenere Richtung. Die üppige Veränderung der Farbe von einem Ocker/Safran-Ton hin zu einem edel aussehenden Pariser Rot binnen weniger Tage ist unglaublich. Die Mooreiche wirkt hier eher besänftigend im Gegensatz zum Balvenie und Ben Nevis.

Nachtrag: Ich habe den Whisky noch 10 weitere Tage nachreifen lassen. Farblich konnte ich keine Veränderung feststellen, Duft und Aroma wurde noch eine Nuance weicher und holziger. Definitiv ein guter Kandidat für einen Langzeit-Test. Die folgenden Proben werde ich im Monatstakt entnehmen.

Generelles Fazit

Das Experimentieren mit Mooreiche weckt das Kind im Mann (und der Frau). Ich würde nicht unbedingt einen Black Bowmore zum Testen verwenden, ansonsten darf man der Kreativität freien Lauf lassen. Faßstarke Whiskys beschleunigen die Reaktionen mit dem Holz. Ich denke, für den ersten Versuch eignet sich jeder Whisky, den man gern trinkt und dessen Geschmack man verinnerlicht hat. Es ist auch empfehlenswert, pro Woche ein kleines Sample aus der Nachreifung abzufüllen, so kann man die Entwicklung auch über mehrere Wochen sehr genau beobachten.

fakts1

Für wen ist Nachreifung mit Mooreiche interessant?

– wer wissen möchte, wie Mooreiche schmeckt
– wer einem Whiskyliebhaber ein ausgewöhnliches Geschenk machen möchte
– wer einen preiswerten Whisky veredeln möchte
– wer schon nach wenigen Tagen Ergebnisse sehen, riechen und schmecken möchte

fakts2

Wer sollte von Mooreiche lieber die Finger lassen?

– wer nicht auf kräftige, tanninhaltige Eichenaromen steht
– wer einen bereits als perfekt erachteten Whisky noch besser machen möchte. Nehmen sie lieber einen Whisky, wo sie der Meinung sind: „Da geht noch was“

Wie oft kann man Mooreiche verwenden?

– zwei bis drei Mal, wobei sich die Reaktionszeiten entsprechend verlangsamen

Nachtrag: Im Prinzip funktioniert das Verfahren mit allen handelsüblichen Spirituosen ab 40% (Rum, Grappa, Cognac, Wodka etc.)

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